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Aktiven-Verbandsrunde 2010/2011
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"Langfristig wollen wir in die 1. oder 2. Liga zurück" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Eric Kolling   
22.08.2007
Seit einigen Wochen ist klar: Künftig wird es im Saarland nur noch einen Badminton-Bundesligisten geben. Liga-Gründungsmitglied TuS Wiebelskirchen hat sich freiwillig zurückgezogen. Arno Schley, TuS-Abteilungsleiter Badminton, und der sportliche Leiter Oliver Rettke haben SBV-Online Rede und Antwort gestanden - u.a. über die Gründe des Rückzugs, die Probleme der Bundesliga und die Zukunft des TuS.

SBV-Online: Ihr wart einziges Gründungsmitglied der Bundesliga - nun musstet Ihr abmelden. Wie leicht ist Euch dieser Schritt gefallen?

Arno Schley: Zur Klarstellung: Wir mussten nicht abmelden - wir haben es getan. Wir hätten mit den uns zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln durchaus spielen können. Allerdings mit einer Mannschaft, die von Anfang an wenig konkurrenzfähig gewesen wäre und mit Sicherheit - wieder einmal - gegen den Abstieg gespielt hätte. Wir waren zum Schluss der Meinung, dass es sich dafür nicht lohnt, ein (größeres) finanzielles Risiko einzugehen. Es gab zwar vor der letztlichen Entscheidung erfreulicherweise noch einige zusätzliche Zusagen durch Sponsoren, aber da war es für Verpflichtungen leider zu spät. Ich danke auf jeden Fall allen, die uns unterstützt haben bzw. uns noch zusätzlich unterstützen wollten und uns auch weiter unterstützen werden. Ob der Schritt leicht gefallen ist? - Mit Sicherheit haben wir bis zum Schluss alles versucht, um diesen Schritt zu vermeiden. Er ist aber mir persönlich dann auch wegen vieler Rahmenbedingungen nicht so schwer gefallen.

Oliver Rettke: Nach reiflicher Überlegung und mehreren Sitzungen u.a. mit dem Präsidenten des TuS Wiebelskirchen, Gerhard Geisen, mussten wir den schweren aber nachvollziehbaren Entschluss fassen, unsere 1.Mannschaft aus der Bundesliga abzumelden. 

SBV-Online: Worin lagen die Probleme?
Schley: Das personelle Hauptproblem waren die Damen. Elena Nozdran, musste uns, was sie selbst sehr bedauert hat, leider verlassen, da sie nunmehr für den Club in Luxemburg spielt (spielen muss), in welchem ihr Mann als hauptamtlicher Trainer tätig ist. Die Suche nach (gleichwertigem) Ersatz unter unseren finanziellen Rahmenbedingungen war letztlich nicht erfolgreich. Hier hat sich auch sehr negativ ausgewirkt, dass die Spielerinnen und Spieler zunehmend den internationalen Turnierspielbetrieb - und in der jetzt anstehenden Saison geht es um die Olympiaqualifikation - im Blick haben. Einige wollen gar nicht mehr am Mannschaftsspielbetrieb teilnehmen, viele nehmen den Mannschaftsspielbetrieb zwar als wichtige persönliche Einnahmequelle mit, der Teamwettbewerb steht aber ansonsten für die Spieler eindeutig nicht im Vordergrund. Hinzu kam, dass wir nicht mit Spielerinnen und Spielern antreten wollten, die nur zu den Spielen anreisen und ansonsten keine oder wenig Bindung zum Verein haben.
Rettke: Ein Grund für unsere Abmeldung waren auch die immer astronomischer werdenden Gehaltsforderungen ausländischer Spieler. Dazu kam noch die überraschende Ankündigung unserer langjährigen Spitzenspielerin Elena Nozdran, die aus beruflichen Gründen nach Luxemburg wechseln musste. Auch die kurzfristigen Verpflichtungen einer chinesischen und slowenischen Spitzenspielerin scheiterten an maßlos überhöhten Gehaltsforderungen welche auch nicht durch eine Erhöhung der Sponsorengelder kompensiert werden konnten. Leider wurde auch von Seiten der Chinesin der bereits hergestellte Kontakt nicht weiter geführt. 

SBV-Online: Wie wird es nun weitergehen?
Schley: Wir bauen die Regionalligamannschaft mit vielen Eigengewächsen neu auf. Perspektivisch und langfristig werden wir mit Sicherheit wieder versuchen, in die Bundesliga (2. oder gar 1.) zurückzukommen.
Rettke: Nach den Abgängen von Roman Spitko und Marcel Reuter zum 1 BC Bischmisheim wechseln Benjamin Woll und Elena Nozdran nach Luxemburg, Paulina Matusewisz in die Regionalliga nach Bremen, Jürgen Wouters wird wohl für einen Verein in den Niederlanden spielen. Natürlich geht der normale Spielbetrieb weiter, wir spielen mit der 1. Mannschaft in der Regionalliga Mitte. Das Team wird durch den Luxemburger Nationalspieler Phillipe Hengen verstärkt, dazu kommen noch Hargiono, Sebastian Ottrembka, ich selbst und Uwe Ossenbrink. Bei den Damen bauen wir auf unsere Stammbesetzung mit Aline Decker, Eva Schneider und neu dazu kommt Laura Lang als TuS-Eigengewächs. Als Saisonziel haben wir eine Platzierung unter den ersten vier Mannschaften der Regionalliga anvisiert. Darüber hinaus haben wir noch eine Schüler, Jugend und Jugendsondermannschaft, und zum ersten Mal auch eine U11 Mannschaft gemeldet. Der Fokus richtet sich auf die Jugend und Schülerbetreuung, da wir Woche für Woche 40-50 Badminton begeisterte Jugendliche in unserer Halle haben.

SBV-Online: Arno, du bist seit sehr vielen Jahren der "Macher" des TuS. Was bedeutet die Entwicklung für dich persönlich? Wie wird es sich auf dein DBV-Amt auswirken?
Schley: Erst einmal bedeutet es, dass ich in Zukunft viel weniger "Stress" habe. Ich war 28 Jahre hauptverantwortlich für die Bundesligamannschaft in Wiebelskirchen. Das ist eine sehr lange - vielleicht zu lange - Zeit. Die Verantwortung für Spitzensport/Training/ Nachwuchsförderung/Sponsoring im TuS geht nun in jüngere Hände über. Der Neuaufbau bei uns ist mit den Namen Pascal Reuter und Oliver Rettke verbunden. Sie werden das schaffen und haben sich auch schon mit viel Engagement an die Arbeit gemacht. Ich bleibe natürlich dabei und helfe mit Rat und Tat wo ich kann und meine Unterstützung gewünscht wird. Im DBV bin ich seit nunmehr 10 Jahren Vorsitzender des Ligaausschusses. Ich werde dieses Amt - sofern die Vereine das wollen - gerne weiterführen, da mir an der Bundesliga viel liegt. In Zukunft dürfte meine Unabhängigkeit hinsichtlich der Zugehörigkeit zu einem BL-Verein sogar von Vorteil und hilfreich bei der Ausübung dieses Amtes sein. 

SBV-Online: Oliver, du bist ein Wiebelskircher Eigengewächs und sehr engagiert im Club. Was bedeutet die Entwicklung für dich persönlich?
Rettke: Für mich persönlich bedeutet dies das Ende einer Ära, welche ich als kleiner Junge seit Anfang der 90 Jahre mit begleitet habe. Aber dieses Ende sehe ich zugleich als Neuanfang. Ich fühle mich auch dem Verein gegenüber verpflichtet diesen Neubeginn mit zu begleiten. Ich resigniere keineswegs, sondern möchte meine Ideen im Hinblick auf Trainingskonzepte, Nachwuchsbetreuung, Vereinsaktivitäten etc. angeht auch mit einbringen und den Verein so in eine weiterhin erfolgreiche Zukunft führen.

SBV-Online: Arno, wie beurteilt du die Entwicklung der Bundesliga in den letzten Jahren?

Schley: Ich sehe viele Entwicklungen in und um die Liga derzeit mit großer Sorge. Wir hatten am vergangenen Samstag Bundesligavollversammlung und diesbezüglich eine Grundsatzdiskussion mit den Vereinen. Folgende Negativpunkte sind anzumerken:

  • Keine Akzeptanz der Anliegen der Bundesliga innerhalb des DBV und insbesondere der Landesverbände. Beispiel. Anträge der Bundesliga zum DBV Verbandstag werden ohne Diskussion und ohne Angabe von Gründen einfach "abgeschmettert"! Die Bundesligavollversammlung hat hinsichtlich Selbstverwaltung im DBV weniger Rechte als die DBV-Jugendvollversammlung. Die Zustände sind untragbar!
  • Keine Möglichkeit der Eigenvermarktung der Bundesliga innerhalb des DBV. Der DBV steckt z.B. die Gelder für Fernsehübertragungen aus der Bundesliga einfach ein und gibt an die Liga nichts weiter!
  • Zunehmend eingeengter Spielraum - bedingt durch den internationalen Turnierspielbetrieb - für die Austragung der Bundesligaspiele. Es ist fast nicht mehr möglich, noch genügend (freie) Termine für die BL-Spiele zu finden. Dies bedeutet schon in der kommenden Saison, dass vielfach Spiele ohne die "Stars" stattfinden müssen (und werden), weil diese sich auf die Turniere konzentrieren. Umgekehrt ermöglicht aber die Bundesliga durch die finanziellen Zuwendungen an die Spieler diesen erst den Spitzensport. 
  • In den benachbarten europäischen Ländern wird seit wenigen Jahren in den jeweiligen Top-Ligen stark "aufgerüstet". Dies hat zur Konsequenz, dass viele Spieler im Ausland mehr verdienen können als bei uns. Falls hier nicht etwas geschieht, wird die Bundesliga bezüglich Topspielern (auch Deutsche!!!) demnächst "ausbluten".
  • Bei uns dagegen hat ein BL-Verein, der seriös arbeitet (ich hoffe alle tun es), immer mehr finanzielle und bürokratische Hemmnisse zu überwinden. Ich nenne: Steuerproblematik, Berufsgenossenschaft u.v.m.
  • Natürlich gibt es innerhalb der Bundesliga ein finanzielles Gefälle. Aber: Selbst die Spitzenvereine werden ohne deutliche Veränderungen in Zukunft mit dem Ausland nicht mehr mithalten können; und: auch die Spitzenvereine brauchen wenigstens einigermaßen konkurrenzfähige Gegner um die Liga attraktiv zu halten.

Die Lösung kann wohl über kurz oder lang nur in einer Verselbständigung der Badminton-Bundesliga - wie in fast allen anderen Sportarten auch - bestehen.

SBV-Online: Arno, wie fällt Fazit zu den zahlreichen Erfolgen und der gesamten Bundesligazeit aus?
Schley: 36 Jahre erste Bundesliga - dies hat kein anderer Badminton-Verein in Deutschland geschafft und dies hat auch in unserem Saarland kein Verein in keiner Sportart geschafft.  In dieser Zeit: 2 Deutsche Meisterschaften - 5 Vizemeisterschaften - 3-mal im Europapokalhalbfinale! Und dies alles mit unserem kleinen "Dorfverein" - ich denke wir können Stolz darauf sein und wir sind es auch. Und - um nur mal die Titel aufzuführen: Spielerinnen und Spieler im TuS-Trikot haben bis heute erreicht: 88 Deutscher Meistertitel, 259 Südwestdeutsche Meisterschaften, 584 Saarlandmeisterschaften. Da kann man doch mit Recht Stolz sein.  Dies insbesondere auch, weil wir dabei keine Skandale geschrieben haben oder gar einmal eine Insolvenz gehabt hätten (manchmal fragt man sich, ob nicht vielleicht in der heutigen Zeit das genau unser Fehler war). Jedenfalls: Wir sind ein (auch finanziell) gesunder Verein mit guter Nachwuchsarbeit, welche wir in Zukunft noch mehr intensivieren werden. Für den gesamten Saarsport, insbesondere aber für den Badmintonsport, hat der TuS Wiebelskirchen sehr viel geleistet. Ohne den TuS hätte Badminton im Saarland mit Sicherheit nicht den heutigen Stellenwert (und mit hoher Wahrscheinlichkeit weder einen Badminton-Olympiastützpunkt noch ein World-Badminton-Center in Saarbrücken; wahrscheinlich auch keine Bitburger-Open und keinen BC Bischmisheim). 

SBV-Online: Unabhängig von der Problematik mit der ersten Mannschaft haben auch zahlreiche Spieler aus Fischbach Euren Verein verlassen. Welche Hintergründe hatte dies?
Schley  Ich weis nur, was mir die jungen Spieler vor ihrem Wechsel gesagt haben: sie wollten nicht mehr so viel Zeit in den Sport investieren wie bisher und daher zu ihren Heimatverein zurückgehen. Ich bedaure dies insofern, da diese Spieler damit ihr Talent für unseren Sport eigentlich viel zu früh (sie sind zwischen 19 und 22 Jahren) "verschleudern".  Sie waren bei uns sehr gut integriert. Dies sieht man auch daran, dass Alex Gebel, Christian Wühr und Jan Regitz bis heute sehr häufig bei uns im Verein mittrainieren. Ich finde das toll, denn dieses gemeinsame Training nützt allen Spielern in der Trainingsgruppe. Außerdem verstehen sie sich mit unseren jungen Leuten sehr gut.
Rettke: Die Hintergründe sind schnell erzählt: Die Fischbacher Spieler wollten einfach wieder in Fischbach spielen, nicht mehr den Trainingsaufwand betreiben, um vernünftig Regionalliga spielen zu können, sich aufs Studium konzentrieren und auch nicht mehr die Kilometer aufnehmen um in Wiebelskirchen zu trainieren. Uns wurde dann kurz nach der angelaufenen Saison der Abschied mitgeteilt. Wir waren erstaunt, da wir eine sehr homogene Truppe waren, in der wir sehr viel Spaß zusammen hatten und uns auch außerhalb des Badmintoncourts sehr gut verstanden haben. Das hat sich natürlich jetzt nicht geändert. Sportlich ist dieser Rückschritt überhaupt nicht zu verstehen und auch menschlich hinterließen die vier Spieler eine Lücke.

Letzte Aktualisierung ( 22.08.2007 )
 
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