Presseberichte August 2002
   
Die "neue-alte" Zählweise erhitzt die Gemüter
  08.08.2002 von Mark Weishaupt
   
   

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln - so könnte man den "Eiertanz" beschreiben, den der Badminton-Weltverband IBF mit der Einführung bzw. der Abschaffung der neuen Zählweise veranstaltet. Am 1. August trat die "neue" Regelung in Kraft. Jetzt bleibt (fast) alles beim Alten...

Umstellung der Zählweise auf "Best of three" schien sicher

Eigentlich war es so gut wie beschlossene Sache. Als seit Mitte des Jahres 2001 die Zählweise im Badminton von der IBF auf internationaler Ebene dahingehend geändert wurde, dass anstatt zwei Gewinnsätzen bis 15 (im Dameneinzel zwei Gewinnsätze bis elf) zukünftig in allen Disziplinen drei Gewinnsätze bis sieben gespielt wurden, zweifelte kaum jemand daran, dass die Regelung spätestens ein, zwei Jahre später auch national und regional umgesetzt werden würde. Die Ziele der Umstellung waren klar: Dramatischere Ballwechsel sollten her, da häufiger Satzentscheidungen anstehen, in den häufigeren Pausen wäre mehr Platz für Werbung oder Musik, um dem Badminton ein flotteres und mediengerechteres Image zu verpassen, und die Spieldauer sollte verkürzt werden.In einigen Bereichen konnten die durchaus hehren Ziele auch realisiert werden. So wurde beispielweise die Dauer der Bundesliga-Spiele reduziert, was sich alle Beteiligten als positiv empfanden.

Erfolgreiche Testphase

Auch Spielerinnen und Spieler gewöhnten sich schnell an die neue Zählweise, und im Bereich der Jugend und Schüler, die bereits nach dem neuen System um Punkte und Titel kämpften, wurden durchweg gute Erfahrungen gemacht. Und so sollte zum 1. August dann auch beim Deutschen Badminton-Verband DBV und seinen angeschlossenen Landesverbänden die Regelung endlich in Kraft treten...
Sollte. Denn dass die neue Zählweise auf der Mitglieder-Versammlung des Weltverbandes im Rahmen der Weltmeisterschaften im chinesischen Guangzhou Ende Mai gekippt wurde, kam doch überraschend und erscheint mehr als unverständlich.

Asiaten verhindern die Änderung im letzten Moment

Die in der IBF dominierenden Badminton-Nationen aus Asien brachten die Neuregelung gegen den Willen der Europäer zu Fall. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Die Spielergebnisse, die in der Testphase zustande gekommen sind, zeigten schon die ein oder andere Überraschung auf. Drei Sätze bis sieben gegen einen indonesischen Dauerläufer zu gewinnen, erscheint zumindest auch etwas einfacher als zwei Gewinnsätze bis 15. Fakt jedenfalls ist: Die neue Zählweise ist vom Tisch, die alte Zählweise wird beibehalten.

Rückschlag auch für Bundesliga

Seit dem 1. August gilt also international und national zum großen Teil wieder das, was vor der Regelung schon der Fall war: Es werden zwei Gewinnsätze bis 15 Punkte ausgespielt. Ausnahme davon: Dameneinzel, -doppel und Mixed werden ab sofort auf zwei Gewinnsätze bis elf Punkte gespielt. Arno Schley, Vorsitzender des Saarländischen Badminton-Verbändes und Manager von Bundesligist TuS Wiebelskirchen, kann der "neuen" alten Regelung kaum etwas abgewinnen. "Diese Entscheidung ist eine Katastrophe für unseren Sport", macht Schley seinem Unmut deutlich Luft. "Das ist ein klarer Rückschritt." Die positiven Erfahrungen, die Schley mit dem TuS Wiebelskirchen in der Bundesliga-Runde gesammelt hat, werden ab der neuen Saison nur noch Erinnerung sein. Ein Bundesliga-Spiel wird in Zukunft wieder auf vier Stunden Spieldauer hinzusteuern, was den Ablauf für Spieler, Publikum und Medien somit weniger planbar machen wird.

Zählweisenumstellungen in den nächsten Jahren wohl kein Thema mehr

Wie die zukünftige Zählweise im Badminton aussehen wird, ist also zumindest vorläufig geklärt. Wie der Inernationale Olympische Komitee, dass die Umstellung auf 5x7 vehement unterstützt, darauf reagieren wird, wird sich zeigen. Der Olympische Status 2004 in Athen und 2008 in Peking ist gesichert. Aber 2012 könnte Badminton durchaus als Wackelkandidat auf der Kippe stehen. Die Diskussionen jedenfalls werden weitergehen.